Bitte beachten Sie, dass die hier gezeigten Fotos nicht ohne meine Zustimmung heruntergeladen und verwendet dürfen. Sollten Sie Interesse an der Verwendung meiner Fotos haben, kontaktieren Sie mich bitte über das Kontaktformular.

Book Online

* Bitte füllen Sie alle obligatorischen Felder aus *

Haida NanoPro MC ND 4.5

Produkte / Keine Kommentare / 2. Januar 2018

Filter sind für mich unerlässlich in der Landschaftsfotografie. Seien es Polfilter, die mir Kontrolle über Reflektionen und den Sättigungsgrad von Farben ermöglichen, oder Grauverlaufsfilter die es mir erlauben, Helligkeitsunterschiede auszugleichen. Doch noch viel stärkere Effekte sind mit durchgängigen Graufiltern möglich. Belebte Szenerien menschenleer filtern, dramatische Wolkenzüge erzeugen oder aber Wasser seidig glatt malen.

Mit Graufiltern lässt sich der Grundcharakter einer Landschaftsaufnahme fundamental umgestalten und der Blick auf das Wesentliche lenken. Insbesondere die Gegensätzlichkeit von starren Objekten und die durch Bewegungsunschärfe weichgezeichneten Wolkenhimmel und Gewässer erzeugen eine außergewöhnliche Spannung, die mich immer wieder fesseln.

ND8

3 Blenden

ideal für Bäche und Wasserläufe, die meist in dunklen Wäldern liegen

ND64

6 Blenden

lange, weiche Wolkenzüge durch 20-30sek lange Belichtungen

ND1000

10 Blenden

seidenglatte Gewässer und surreale Wolkenzüge – nicht von dieser Welt

Für extrem lange Belichtungen (siehe Joel Tjintjelaar) reichen aber selbst 1000-fach ND Filter nicht aus. In solchen Situationen kombiniert man gerne einen ND 3.0 (1000x) mit entweder einem ND 0.9 (8x) oder ND 1.8 (64x). Der Nachteil liegt auf der Hand. Die Beeinträchtigungen der Filter (Vignettierung, Farbverschiebungen), so klein sie auch sein mögen, addieren sich. Die Fotos haben eine noch stärkere Vignettierung und auch der Farbstich wird verstärkt. Für die bestmögliche Qualität greift man also besser gleich zu einem Filter in der benötigten Stärke. Zum Beispiel zum ND 4.5 (32000x) aus der aktuellen NanoPro Reihe von Haida. Obwohl die Vorgängerserie mich bereits überzeugt, bin ich gespannt, ob NanoPro noch besser ist. Leider verrät die Website von Haida nicht allzu viel über die Vorteile der neuen Serie. Das möchte ich mit diesem Artikel ändern.

Hinweis
Der ND Filter wurde mir freundlicherweise kostenlos von Haida zur Verfügung gestellt. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass ich bereits seit Jahren ND und GND Filter von Haida einsetze und diese selbst bezahle. Mit insgesamt 12 Filtern in meiner Filtertasche konnte ich genügend Erfahrung sammeln, um einen objektiven Testbericht über den neuen ND Filter der NanoPro Serie schreiben zu können.

Bestimmung der tatsächlichen Filterstärke

Den Herstellerangaben zur Filterstärke sollte man nicht blind vertrauen, sondern selbst einmal nachmessen. Produktionsbedingt muss man selbst innerhalb einer Charge immer mit kleinen Abweichungen rechnen. Mit geringem Aufwand lässt sich jedoch der exakte Verlängerungsfaktor bestimmen. Hierfür sollte eine nicht zu weitwinklige Brennweite verwendet werden, da anderenfalls Vignettierungen das Ergebnis verfälschen würden (mehr dazu weiter unten). Bei Brennweiten ab 100mm an Vollformat (ca. 70mm an APS-C) ist der Vignettierungseffekt nicht mehr vorhanden. Für eine aussagekräftige Messung fotografiere ich eine weiße Wand unter konstantem Kunstlicht einmal mit und einmal ohne Filter. Die Belichtung wähle ich dabei jeweils so, dass das Histogramm exakt mittig ausschlägt.

Die Kalibrierung selbst nehme ich dann in der praktischen App Exposure Calculator vor, die ich dafür lediglich mit den Belichtungsparametern beider Aufnahmen füttern muss. Für den Haida NanoPro MC ND 4.5 kam ich hierbei auf einen Wert von 4.3 (20643x). Eine 2/3 Blende geringer als angegeben. Mir ging es dabei nicht darum, ob der Hersteller Recht hatte oder nicht. Vielmehr interessiert mich der genaue Filterwert um unterwegs nicht nur Näherungswerte an der Kamera einstellen zu können. Da der Filter immer gleich stark ist, ist es sinnvoll ihn einmal korrekt auszumessen und in der Exposure Calculator App dann mit genau diesem Verlängerungsfaktor zu rechnen.

 

Farbtreue oder Farbstich?

Meine bisherigen Erfahrungen mit den ND Filtern von Haida sind, was die Farbtreue betrifft, durchweg positiv. In einer frühen Phase setzte ich Filter aus Resin von Cokin ein. Der starke Rosa-Farbstich den ich mit diesen Filtern erhielt, erzeugte nahezu unbrauchbare Fotos. Natürlich kann man einen Farbstich gegenkorrigieren, doch sollte man dabei nie vergessen, dass man einen Teil des Farbspektrums verliert. Das macht sich besonders dann bemerkbar, wenn man in der Nachbearbeitung tief in den Farbkasten greift.

Zur Bestimmung des Farbstichs ziehe ich mir gerne die Fotos aus der Kalibrierung heran. Durch die neutrale Wandfarbe und die gleichmäßige Ausleuchtung erhalte ich Bilder, bei denen sich der Weißabgleich problemlos mit der Pipette angleichen lässt. Die Abweichung des Weißabgleichs vom ungefilterten zum gefilterten Bild lagen beim ND 4.5 bei geringen +100 in der Farbtemperatur und +6 in der Tönung. Die Werte beziehen sich hierbei auf den Weißabgleich in Adobe Lightroom bzw. Adobe Camera RAW. In einem weiteren Farbvergleich zwischen alter und neuer Reihe (NanoPro MC) wird deutlich, wie gut diese Werte sind (siehe Vignettierung).

Die verwendeten RAW Dateien (Fujifilm X-T2 mit Fujinon XF 18-55 bei f/8.0 und ISO200) stelle ich zum Vergleich inkl. XMP Dateien zum Download zur Verfügung. Bitte nicht auf die Sensorflecken achten, mein Sensor muss dringend gereinigt werden…

 

NanoPro Multi Coating

Der Name verrät es schon. Die neue Filterreihe von Haida hat nun ein Coating mit Nano Effekt. Wasser und Staub sollen hieran so gut wie nicht haften bleiben und regelrecht abperlen. Ein Garant für einfache und schnelle Reinigung. Wer schon einmal bei Regen, am Meer oder in sandigem Gelände mit Filtern gearbeitet hat, wird jetzt besonders gespannt sein. Noch konnte ich den Filter nicht ausgiebig genug testen, aber bei einem ersten Abperltest mit Spritzwasser konnte ich bestätigen, dass das Coating einen hervorragenden Job macht.

Auch wenn die älteren ND Filter von Haida bereits einen gewissen Abperleffekt aufweisen, bin ich begeistert von der Leistung des Nano Coatings. Es bilden sich keine Rinnsale. Die Tropfen bleiben einheitlich und laufen in Perlform herunter. Doch wozu beschreiben, was bewegte Bilder viel besser zeigen. Der Effekt in folgendem Video ist nicht übertrieben und auch kein Marketing Gag mit destilliertem Wasser oder behandelter Oberfläche. Ein kurzer Wisch und der Filter ist wieder einsatzbereit.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=OivGMSqDWqE

 
Ein kleiner Tipp an dieser Stelle:

Besser als Mikrofasertücher haben sich für mich in der Praxis feuchte Reinigungstücher von Zeiss bewährt. Die kleinen Tücher sind günstig und hinterlassen keine Schlieren. Der enthaltene Alkohol lässt die Feuchtigkeit schnell verdampfen, die Filter sind nahezu direkt wieder einsatzbereit.

 

Das Problem mit der Vignettierung

Bei der Arbeit mit Graufiltern stößt man sehr schnell auf das Problem der Randabschattungen bzw. Vignettierungen. Im Direktvergleich von ungefiltertem zu gefiltertem Foto fällt schon am Kameradisplay schnell auf: ND Filter vignettieren mitunter sehr stark und je weitwinkliger das verwendete Objektiv ist, desto stärker wird die Vignettierung sichtbar.

Das hat unterschiedliche Gründe und selbst teure, hochwertige Filter führen zu Vignettierungen. Eine Fehlerquelle ist bspw. eine für den Bildwinkel des Objektivs zu klein gewählte Filtergröße. So ist es bei extremen Weitwinkelobjektiven nötig, statt der üblichen 100x100mm großen Filter auf ihr Pendant mit 150x150mm zu satteln. Doch auch die Filterhalterung kann einen Einfluss haben und in den sichtbaren Bereich hineinragen. Beim LEE Filtersystem gibt es hierfür separate Adapterringe für Weitwinkelobjektive, die das Haltersystem dichter am Objektiv platzieren. Auch die Anzahl der Filterslots lässt sich bei vielen Filtersystemen anpassen und das Haltersystem somit verschlanken.

Ein ganz fundamentales Problem hingegen lässt sich nicht so leicht und kostengünstig lösen. Die Beschaffenheit der ND Filter. Üblicherweise sind ND Filter komplett durchgefärbte Glasscheiben von ca. 2mm Dicke. Die gewünschte Abdunklung des eintretenden Lichts wird also beim Durchwandern der Lichtstrahlen durch eben diese 2mm Glas erreicht. Im Randbereich jedoch trifft das Licht nicht senkrecht sondern in einem Winkel auf den Filter. Mit ein wenig Trigonometrie lässt sich bestimmen, wie der Eintrittswinkel den Strahlenweg durch den Filter erhöht. Erstaunlich ist hierbei, wie groß dieser Einfluss ist.

In folgender Grafik habe ich versucht, dies zu verdeutlichen. Je flacher der Einfallswinkel, desto länger ist der Weg und entsprechend ist auch die Abdunklung stärker. Trigonometrisch lässt sich der Strahlenweg anhand des Einfallswinkels Alpha und der Filterstärke in Millimetern bestimmen: Strahlenweg = Filterstärke / Sinus von Alpha

trigonometrische Erklärung der Vignettierung bei durchgefärbten ND Filtern

Bereits bei 45° hat sich der Strahlenweg um 40% verlängert. Das Licht wird dadurch deutlich stärker abgeschwächt als in den mittleren Bereichen – die Bildränder vignettieren und das nicht zu knapp. Es ist also egal wie schlank der Filterhalter oder wie groß die Fläche des Glasfilters ist. Je weitwinkliger man fotografiert, desto stärker ist die Vignettierung. Die 45° sind übrigens nicht aus der Luft gegriffen. Unter Landschaftsfotografen sehr beliebt sind Ultra-Weitwinkelobjektive wie das Canon EF 16-35 f/4 oder f/2.8 oder das Fujifilm XF 10-24 f/4 (APS-C). Bereits bei 18mm (12mm auf APS-C) sind wir bei einem horizontalen Blickwinkel von ca. 90°, also 45° nach links und 45° nach rechts.

Mit der NanoPro MC Serie hat Haida neben dem Nano Coating eine weitere Neuerung eingeführt. Die ND Filter sind nun bis zu einer Stärke von 3.0 (1000x) nicht mehr komplett durchgefärbt, sondern beidseitig mit einer dünnen Filterschicht beschichtet. Das Ergebnis hierbei sind deutlich geringere Vignettierungen. Der Strahlenweg hat sich zwar dadurch nicht verkürzt, doch findet die Abdunklung nun nicht mehr über den gesamten Weg durch den 2mm starken Filter statt. Die Abdunklung findet nur an den hauchdünnen Beschichtungen des Glasfilter statt und ist somit deutlich weniger abhängig vom Einfallswinkel des Lichts.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Jörg Langer bedanken, der mir seinen ND 3.0 (1000x) aus der NanoPro MC Reihe für einen Vergleichstest zur Verfügung stellte. Um die Verbesserung der Vignette bestmöglich beurteilen zu können, habe ich meinen 1000-fach Filter aus der alten Reihe mit dem 1000-fach Filter der Nano Pro MC Reihe unter möglichst extremen Bedingungen in den Test geschickt. Fotografiert wurde entsprechend bei 10mm an APS-C (15mm an Vollformat) und Blende f/9 (zur Vermeidung etwaiger Vignettierungen bei Offenblende). Eine möglichst gleichmäßig helle Fläche erzeugte ich mir durch den Diffusorstoff eines 5-in-1 Reflektor, der durch eine 90cm Octabox und das Einstelllicht meines Blitzes beleuchtet wurde.

 

Bereits am Kameradisplay war der Unterschied frappierend, so dass ich gespannt war, das Ergebnis am Rechner genauer zu betrachten. Meine Vermutung war ursprünglich, dass die Vignettierung am Rechner feststellbar sein dürfte. Dass ich jedoch bereits am kleinen Kameradisplay einen so großen Unterschied ausmachen konnte, war faszinierend und schockierend zugleich. Auf lange Sicht werden die Haida ND Filter der alten Reihe aus meiner Filtertasche verschwinden und durch die neuen Kollegen der NanoPro Reihe ersetzt werden. Soviel steht nun fest.

Am Rechner fiel dann aber auch noch einmal sehr schön auf, wie gering der Farbstich der NanoPro Reihe ausfällt. Durch den Umstieg von durchgefärbten zu beschichteten Filterscheiben konnte nicht nur eine drastische Verbesserung der Vignettierung erreicht werden, auch die Farbtreue hat sich noch einmal verbessert. Selbst bei einem starken Filter der Stärke 3.0, der 10 Blenden an Licht schluckt, werden die Farben nur minimal verschoben. Für uns Fotografen bedeutet das nun einen nahezu kompromisslosen Einsatz von Filtern.

Farbtreue: Haida (alte Reihe) vs Haida Nano Pro MC

 ohne FilterHaida ND 3.0Haida ND 3.0 NanoPro MC
WB Temperatur530063005100
WB Tönung+4-20

Die verwendeten RAW Dateien (Fujifilm X-T2 mit Fujinon XF 10-24 bei f/9.0 und ISO200) stelle ich zum Vergleich inkl. XMP Dateien zum Download zur Verfügung. Bitte nicht auf die Sensorflecken achten, mein Sensor muss dringend gereinigt werden…

 

 

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass Haida mit der NanoPro Serie ein heißes Eisen auf den Markt geworfen hat. Das Coating wird sich im Alltag bezahlt machen, der Farbstich ist noch geringer als bisher schon und die zusätzliche Minimierung der Randabschattungen der ND Filter bis 3.0 (1000x) sind eine gelungene Weiterentwicklung zu qualitativ höherwertigen Aufnahmen. Filter lassen sich jetzt nahezu ohne Abstriche in der Bildqualität einsetzen.

Zu einem Preis von 100-110€ erhält man mit den Haida NanoPro Filtern sehr solide Arbeitswerkzeuge, die mit den Konkurrenzprodukten von LEE, Formatt HiTech, NiSi und Lensinghouse locker mithalten können. Formatt HiTech geht mit der Firecrest Ultra Serie ebenfalls einen interessanten Weg. Die Filterschicht wird hierbei zwischen zwei Glasschichten eingebracht und soll somit noch stärker vor Kratzern geschützt sein. Ob das jetzt tatsächlich praxisrelevant ist, kann ich nicht beurteilen. Meine Grauverlaufsfilter von Haida (Pro II MC) sind ebenfalls beschichtet und auch nach mittlerweile 2 Jahren konnte ich keine Kratzer in der Beschichtung feststellen. Preislich liegen die Filter übrigens circa 50% über der NanoPro Serie. Haida hat hier meines Erachtens ein unschlagbares Preis/Leistungsverhältnis.

 

Weiterführende Links

Haida NanoPro MC ND Filter bei Pro-Photoshop.com kaufen

Haida NanoPro MC GND Filter bei Pro-Photoshop.com kaufen

Review des NanoPro ND 4.5 von Christian Ohlig mit Vergleichsbildern

Review des NanoPro ND 3.0 von Jörg Langer inkl. Video

Kommentarfunktion deaktiviert