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Passbilder macht der Fotograf selbst

Allgemein / Keine Kommentare / 19. Juni 2018

Alle Jahre wieder… ist eine neuer Personalausweis/Reisepass fällig. Bis zum 24. Lebensjahr sind die Dokumente nur 6 Jahre gültig, danach immerhin 10 Jahre. Mein Reisepass läuft in diesem Jahr ab und für die nächsten 10 Jahre wollte ich jetzt ein sauber ausgeleuchtetes Foto auf dem ich mir auch gefalle. Selbst ist der Fotograf, denn so ein biometrisches Passbild ist ziemlich leicht zu erstellen.

Ich komme gerade aus dem Bürgeramt und habe mein selbst erstelltes Foto erfolgreich für meinen neuen Reisepass eingereicht. Wie ich dabei vorgegangen bin, schildere ich in diesem Blogbeitrag.

Die wichtigsten Voraussetzungen für ein biometrisches Passbild sind:

  • nicht älter als 6 Monate
  • geeigneter Zuschnitt nach Musterschablone
  • geeignete Schärfe
  • geeigneter Kontrast (nicht zu flau)
  • gleichmäßige Ausleuchtung (keine Reflektionen, keine starken Schatten)
  • einheitlicher Hintergrund mit geeignetem Kontrast zur Haarfarbe
  • usw usf

 

Alles in allem also mit einem guten Licht-Setup und kurzer Nachbearbeitung in Photoshop sehr einfach zu erstellen. Die genauen Richtlinien (was ist mit Brillen, Kopfbedeckungen usw usf) lassen sich jederzeit in der Mustertafel der Bundesdruckerei nachlesen.

 

Das Setup

Kamera

Fotografiert habe ich mit meiner Fujifilm X-T2 und dem Fujinon XF 56 f/1.2. Die Brennweite von 56mm (85mm auf Kleinbildformat) ist hierbei eher als untere Grenze zu sehen. Für den Schnitt des Passbildes muss man bei dieser Brennweite bereits eine dichte Perspektive einnehmen. Bei weniger Brennweite wird hier definitiv eine nicht schmeichelnde Verzerrung der Gesichtspartien auftreten (die Nase wird unproportional groß). Zwischen 56mm und 80mm (120mm auf Kleinbildformat) sollten die besten Abbildungen entstehen. Im Falle von Fuji wären also bspw. das Fujinon XF 55-200 f/3.5-4.8, das Fujinon XC 50-230 f/4.5.-6.7 oder das grandiose Fujinon XF50-140 f/2.8 am flexibelsten.

Licht

Ein sehr schmeichelndes Licht das zugleich alle Bedingungen erfüllt ist das sogenannte Clamshell Lighting. Ein sehr weiches Licht von oben und eine dezente Aufhellung von unten. Besonders ist hierbei die schattenfreie Ausleuchtung und die schönen Catchlights in den Augen. In meinem Fall kam hierbei ein Godox AD200 in einer 95cm Octabox als Hauptlicht von oben und ein Godox TT600 in einer kleinen 60x60cm Softbox als Aufhelllicht zum Einsatz. Ausgelöst und gesteuert habe ich beide Blitze mit dem Godox X1T-F. Zur Visualierung habe ich hierfür übrigens das hervorragende set.a.light 3D von elixxier Software verwendet. Das Licht-Setup gibt es weiter unten zum Download. Die Testversion von set.a.light lässt sich übrigens nach Ablauf der Testphase als kostenloser Viewer für die .set Dateien verwenden.

 

Als Hintergrund kam mein weißer IKEA Tupplur Rollo zum Einsatz. Durch den geringen Beschnitt tut es natürlich aber auch jeder andere weiße Hintergrund wie bspw. ein Faltreflektor oder einfach eine weiße Wand. Ich habe mich relativ dicht an den Hintergrund gesetzt. Bei meiner Haarfarbe war ein helles Grau nötig um genügend Kontrast zu erzeugen, denn meine Haare sollten sich vom Hintergrund absetzen, mein weißes Hemd aber ebenfalls. Bei helleren Haarfarben sollte der Hintergrund dann etwas weiter weg stehen, so dass er durch den Lichtabfall dunkler wird.

 

Posing & Steuerung der Kamera

Ich habe mich gerade zur Kamera ausgerichtet, einen neutralen Gesichtsausdruck aufgesetzt (ja, es fühlt sich wirklich komisch an) und die Kamera mittels Wifi über mein Smartphone ausgelöst (2sek Timer). Vorteil hierbei: ich kann den Bildausschnitt auf dem Smartphone prüfen und auch sehen, wie mein Gesichtsausdruck wirkt. Schnell verfällt man in eine allzu ernste Miene, die gar nicht nötig ist. Lächeln ist sogar erlaubt, es darf nur der Mund nicht geöffnet sein. Um etwaigen Diskussionen auf dem Bürgeramt zu entgehen, habe ich mich aber für einen möglichst neutralen Gesichtsausdruck entschieden. Weder streng, noch lächelnd, noch debil. Ich hoffe das ist mir gelungen 🙂 Das Foto wurde zumindest anstandslos vom Bürgeramt übernommen und ich bin zufrieden mit meinem Ergebnis.

 

Die Nachbearbeitung

Natürlich darf ein Passbild nicht allzu stark bearbeitet sein, aber die üblichen Spuren des Alltags und der letzten Nächte kann man ruhig entfernen. Das Foto muss 10 Jahre halten, eure markanten Features wie Narben, Muttermale usw müssen also bleiben. Temporäres wie Hautunreinheiten können problemlos entfernt werden und auch Augenringe können minimiert werden, solange sie nicht zu eurem typischen Erscheinungsbild gehören (kennt jemand noch Karl Dall?!).

 

In Lightroom habe ich die RAW Daten entwickelt und dann in Photoshop mit dem Reparaturpinsel und etwas (!) Dodge & Burn das Foto bereinigt. Das war es dann auch schon. Ein aufgeräumter Look und keine Beauty-Retusche. Entsprechend schnell war ich damit auch fertig.

Der Zuschnitt

Sehr wichtig ist ein korrekter Zuschnitt und auch hier hilft die o.g. Mustertafel der Bundesdruckerei. Zunächst einmal muss das Passbild ein Format von 3,5 x 4,5cm aufweisen. Zusätzlich gilt es bestimmte Bereiche für die Position von oberem Gesichtsrand, Nase, Augen und Kinnlinie einzuhalten. Damit es in Zukunft schneller geht, habe ich mir hierfür eine halbtransparente Schablone in Photoshop angelegt. Mittels dieser lässt sich der Zuschnitt sehr schnell erledigen. Einmal die Schablone über das Foto legen, in der Größe anpassen (proportionale Skalierung!) und mittels Zuschneidewerkzeug croppen.

 

 

Druck

Das fertige Foto habe ich mittels einer Druckvorlage in Lightroom für den 8-fachen Druck auf einen 15x10cm großen Abzug vorbereitet. Das Druckmodul in Lightroom ist einfach fantastisch für solche Aufgaben. Die Vorlage gibt es weiter unten als Download. Für mich ist das der einfachste Weg Passbilder kostengünstig und ohne weiteres Zutun bestellen zu können. Bei Saal Digital kostet ein 15×10 Abzug auf dem für Passbilder idealen Portrait/Silk Papier gerade einmal 19ct (Stand: Juni 2018). Das Zuschneiden kann man übrigens dem Bürgeramt überlassen, dort wird der Abzug ohnehin mittels Passbildstanze exakt ausgestanzt.

 

 

Fazit

Ich bin äußerst zufrieden. Mit dem Foto selbst, aber auch mit dem lediglich mäßigen Aufwand der nötig war. Sicher geht das alles noch viel schneller, wenn man auf Blitzanlage und Hintergrund verzichtet und stattdessen mit Fensterlicht und ohne Hintergrund arbeitet. Mir war es dieses Mal aber wichtig ein Foto im Reisepass zu haben, dass mir bis zu seiner Erneuerung im Jahre 2028 gefallen kann.

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